Angelina Gazguez & Jean Claude Sassine
La Violeta – Das Gemälde
Erzähltheater
Die haarsträubende Geschichte eines archaischen Verbrechens, poetisch erzählt von Angelina Gazguez mit einem Mantel aus Musik von Jean Claude Sassine
Für den jungen Kommissar Laviollette wird die Kulturreise nach Spanien
zur grössten Herausforderung seines Lebens, als er eines Nachts in einer
Kirche Zeuge eines archaischen Verbrechens wird.
Die Tat, die vor meinen Augen begangen wurde und deren Hintergrund
ich nicht kannte, wurde mir nicht wie einem Zuschauer aufgedrängt,
sondern wie einem verantwortlichen Richter.
Der Bann, der sich auf den heimlichen
Beobachter legt, löst sich erst
nach und nach. Das war der Anfang einer Zeit, in der ich meinen Vorgesetzten
durch meine Kühnheit und meine Hartnäckigkeit im Kampf gegen die
Ganoven auffiel. Man sah, wie ich bei jeder Gelegenheit mein Leben aufs Spiel
setzte.“
Doch als er beginnt, seine Erlebnisse jener Nacht bei jeder Gelegenheit
auszuposaunen, wird er zu einem bedauerlichen diplomatischen Zwischenfall
auf unserem politischen Schachbrett und muss um sein Leben kämpfen,
denn so gern die Diktaturen auch die Muskeln spielen lassen, nichts
geht über eine gute alte Demokratie, um diese Art von Problemen mit
tadellosem Anstand zu regeln. Niemand! Hören Sie, Laviolette? Niemand
ist gegen einen natürlichen Tod gefeit! Aber das alles ist nichts
gegen einen echten Goya. „Magnan ist einer
der Grössten!“(Gisbert Haefs)
Der Provenzale Pierre Magnan ist ein exakter Beobachter der menschlichen
Seele und der Natur in der Tradition der französischen Impressionisten.
Seine Kriminalromane und Erzählungen sind nicht nur fesselnd und hochdramatisch,
sondern auch voll melancholischer Poesie. Die Erlebnisse seines Alter Ego
Kommissar Laviollette sind erschütternd real und werden doch durch die
Schönheit seiner Sprache transzendiert.
Angelina Gazquez und Jean-Claude Sassine haben sich von Magnans Geschichte
inspirieren lassen und daraus ein schaurigschön-kriminelles Melodram
geschaffen.
Wenn Gazquez erzählt und Sassine spielt, verschmelzen Sprache und Musik
zu einer faszinierend farbenreichen Gesamtkomposition von mysteriöser
Schönheit und hintergründigem Humor.
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Pressespiegel
Kleinkunst mit viel Spannung
Erstmals stand Jean-Claude Sassine mit Angelina Gazquez auf der Bühne. Mit der Premiere von «La Violeta – Das Gemälde».
"Sogar das Genie hat sich diesmal als unfähig erwiesen, das Grauen
zu überhöhen"
konstatiert ein Kunsthändler am Schluss von "La Violeta",
und trifft mit dieser Aussage sowohl den Kern des nach einer Erzählung
von Pierre Magnan konzipierten Bühnenstücks als auch die Stimm-Modulationen
von Angelina Gazquez.
Die deutsche Schauspielerin hat sich auf literarisch-dramatische Soloprogramme
spezialisiert und Krimis – als moderne Form der Tragödie – für
die Bühne adaptiert. Nun ist die Sprecherin einen Schritt weitergegangen,
verbindet die haarsträubenden Erlebnisse des Kommissars Laviollette
mit der Klaviermusik von Jean-Claude Sassine. Der Solothurner Pianist verstärkte
die Spannung und Emotionen der Erzählung. Sprache und Musik verschmolzen
zu einer faszinierend farbenreichen Gesamtkomposition, die den Zuhörenden
eine Gänsehaut über den Rücken jagte. Mit leiser Ironie und
viel Suspense vorgetragen, wurde diese Kriminalgeschichte zum Hörgenuss – Kleinkunst
auf hohem Niveau. Thematisiert wurde Kommissar Laviollettes Kulturtrip nach
Spanien, wo er einen Mord beobachtet. Das archaische Verbrechen verändert
sein Dasein, prägt sein Denken und wird zur grössten Herausforderung
seines Lebens.
In spannendem Ambiente
Autor und Schauspielerin stellten das Schreckliche
real dar und transzendierten gleichzeitig das Grauen und die nackten Tatsachen
auf eine Ebene der Poesie – lyrische
Prosa in Reinkultur.
Dabei lenkte der feudale Prunk des roten Salons im Blumenstein keine Sekunde vom Geschehen ab, lag vielmehr im Dunkeln. Oliver Czaks raffinierte Lichtregie folgte dem Geschehen, setzte Akzente. Angelina Gazquez benötigte keine Kulisse, konnte sich auf die Modulationsfähigkeit ihrer Sprechstimme verlassen. Zumal das Halbrund der Zuschauerreihen ihr den Spielradius einschränkte. Angelina Gazquez: «Der historische Raum ist viel atmosphärischer als ein nüchternes Kleintheater. Doch der Halbbogen der Bestuhlung birgt die Gefahr, einem Teil des Publikums den Rücken zuzukehren. Deswegen beschränkte ich das Spiel auf einige Gesten und die Mimik und arbeitete einzig mit der Stimme.» Dies ist der Schauspielerin gelungen. Der Fokus des Abends zielte auf den Klang, das Wort und die Musik. Da sass jede Nuance, jede Szene erhielt ihr eigenes Kolorit, jede Figur ihr Timbre. Bestärkt durch die «Filmmusik» von Jean-Claude Sassine, dessen Klangkaleidoskop Stimmungen verstärkte. Improvisation hiess das Zauberwort, dass die Musik stets überraschend und frisch erklingen liess. Jean-Claude Sassine: «Ich weiss, welchen musikalischen Effekt ich wo und wie erreichen will, doch ohne festen Fahrplan. Das Improvisieren elektrisiert und hält die Spannung aufrecht.»
Nische entdeckt
Der Bann, der sich im Stück auf den heimlichen Beobachter des archaischen
Verbrechens legte, löste sich erst nach und nach. Ebenso kehrten die
Zeugen im Zuschauerraum nur langsam in das Hier und Jetzt zurück. Zu
mysteriös und spannungsvoll waren die Ereignisse jener schrecklichen
Nacht miteinander verknüpft, liessen weder Erzählerin noch Zuhörende
los. In einer Zeit, da Hörbücher boomen und TV-Krimis Traumquoten
erreichen, haben Angelina Gazquez und Jean-Claude Sassine eine wunderbare
Kleinkunst-Nische entdeckt und zu einem Bühnen-Ereignis geformt.
Catharina Poltera
© Solothurner Tagblatt, 16.04.2007
